wussten Sie, dass laut Gesetz jeder junge Mensch ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit hat? Und wussten Sie, dass das Fundament für den gesamten Bildungsverlauf eines Menschen auf seiner frühen bzw. frühkindlichen Förderung und Bildung gründet?

Ergebnisse aus der Bildungsforschung zeigen, wie wichtig es ist, dass bereits in den frühen Lebensjahren das Grundgerüst für eine erfolgreiche Lernbiografie und damit auch für gute Entwicklungs-, Teilhabe- und Aufstiegschancen angelegt wird. Die Voraussetzungen dafür sind, neben einer liebevollen Betreuung, eine möglichst frühzeitige Förderung individueller Fähigkeiten durch Sprach- und Lernangebote und nicht zuletzt qualitativ hochwertige Angebote in der Musik-, Kunst- und Bewegungserziehung.

Diese Einsicht hat weitreichende Folgen: Insbesondere Kindertageseinrichtungen wandeln sich von Orten, wo Kinder einst vorrangig betreut wurden, mehr und mehr in Bildungseinrichtungen, in denen Kinder auf die Schule und das zukünftige Leben vorbereitet werden. Kein Wunder, dass das Anforderungsprofil an die pädagogische Arbeit im Kita-Alltag deutlich vielschichtiger und komplexer als früher geworden ist.

Zudem prägen vielfältige Kulturen, unterschiedliche soziale Hintergründe und Lebenswelten den realen Kontext des Kitaalltages und wirken sich auf das soziale Miteinander aus. Vielfalt und Heterogenität sind indes nicht frei von Konflikten, der Umgang mit ihnen kann eine komplexe Aufgabe sein, deren Lösung fachliche Kompetenzen und personelle Ressourcen voraussetzt.

Eine solche Sichtweise wirft nicht nur kontroverse Fragen auf, sondern stellt Kindertageseinrichtungen, aber auch Fachschulen vor große Herausforderungen: Wie kann die pädagogische Arbeit in den Kindertagesstätten den Anforderungen und dem gestiegen Erwartungsdruck gerecht werden? Ist die Qualität der Ausbildung der pädagogischen Fachkräfte vor dem Hintergrund der zunehmenden kulturellen und sozialen Vielfalt noch angemessen und zeitgemäß?

Was die Weiterentwicklung frühpädagogischer Bildungs- und Förderungsangebote in den Kindertageseinrichtungen betrifft, warten außerdem zahlreiche Probleme auf eine Lösung: Obwohl allen Kindern, gleich welchen sozialen, kulturellen oder religiösen Hintergrund sie haben, eine frühe Bildung und Förderung ermöglicht werden soll, besuchen Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder aus weniger privilegierten Verhältnissen Kindertageseinrichtungen seltener als Kinder aus wohlhabenden und gebildeten Schichten. Hier müssen dringend Wege beschritten werden, die mehr Chancengleichheit sicherstellen.

Auch bei Fragen nach der pädagogischen Qualität zeigen sich große Unterschiede zwischen den Einrichtungen. Besonders deutlich wird dies am Beispiel Partizipation – gemäß Kinderrechte sollen Kinder bereits in den Kitas über Dinge mitbestimmen können, die sie selbst betreffen. Die Forderung wird in vielen Kitas bislang nur unzureichend erfüllt.

Für uns als Fachschule für Sozialpädagogik steht die grundsätzliche Frage im Mittelpunkt, wie wir unsere Schülerinnen und Schüler auf die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen optimal vorbereiten können. Die Voraussetzungen für eine Chancen- und Bildungsgerechtigkeit aller Kinder werden nämlich nicht nur durch ein bedarfsgerechtes quantitatives Angebot geschaffen, sondern auch durch eine hohe, an den Bedürfnissen der Kinder orientierten pädagogischen Qualität in den Kitas.

Unseren Bildungsauftrag sehen wir deshalb darin, bei unseren Schülerinnen und Schülern Kompetenzen zu schaffen, die sie einerseits in ihrem künftigen Beruf dazu befähigen, frühkindliche Bildungsprozesse zu fördern und die sie anderseits darin unterstützen, in dem von kultureller Vielfalt geprägten Kitaalltag auf ein friedliches, demokratisches und respektvolles Miteinander hinzuwirken.

Mit Blick auf die gewachsenen Anforderungen im Arbeitsfeld Kindertageseinrichtungen lebt die erfolgreiche Arbeit mit Kindern, heute mehr noch als früher, von engagierten, kompetenten und professionellen Fachkräften. Mehr denn je ist ein vielfältiges Team an pädagogischen Fachkräften mit unterschiedlichen Erfahrungen und Biographien, verschiedenen kulturellen, sprachlichen, religiösen, sozialen und familiären Hintergründen gefragt.

Als Fachschule ist es unser Auftrag, jene Schlüsselkompetenzen zu fördern, welche die Grundlage für ein friedliches, demokratisches und respektvolles Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft bilden. Unsere Schülerinnen und Schüler sollen den zukünftigen Aufgaben und Herausforderungen gewachsen sein und zu selbstbewussten Pädagogen werden.

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung